Gabriella Buti Zaccagnini
Zusammenfassung:
Die Bioenergetische
Analyse hat dank der Erkenntnisse Dr. A. Lowens das Körperselbst ins Zentrum
des therapeutischen Prozesses gerückt und dabei besonders den Aspekt der
Verfahrenstechnik und der Beziehung beleuchtet.
Affektive Zustände, charakterisiert durch emotionale und körperliche
Merkmale, stellen das Wesen bioenergetischer Erfahrung dar.
Ein erster Schritt im Sinne der Bioenergetischen Analyse besteht darin, sich
mit dem jeweiligen Gefühlszustand im "Hier und Jetzt" vertraut
zu machen.
Ziel ist das Wachstum der gesamten Persönlichkeit, die im Zuge der Reorganisierung
ihres Körperselbsts auch an Funktionalität in ihrer Beziehung zur
Umwelt gewinnt.
Diese Modalitäten der Bioenergetischen Analyse, von Anfang an Bestandteil
ihrer klinischen Erprobung, begründen - in Übereinstimmung mit den
jüngsten Ergebnissen der Säuglingsforschung - ihren heutigen Platz
im main stream der Entwicklung der Psychoanalyse. Dank ihrer spezifischen Ausrichtung
liefert die Bioenergetische Analyse ein nutzbringendes und klinisch geprüftes
Instrumentarium als ihren originären Beitrag zur Debatte der verschiedenen
Schulen.
(Übersetzung: Irma Ben Hamida)
Einige Entwicklungsaspekte zum Thema Körper und Identität.
Analytisch-Imaginäre Körperpsychotherapy.
Jörg Clauer
Zusammenfassung:
In meiner Arbeit stelle ich eine spezielle Form der Körperpsychotherapie vor, in welcher der Therapeut mit seinen Händen dem Patienten einen unterstützenden Kontakt bietet, ohne damit besondere Ziele oder Anforderungen zu verbinden. Der Patient erhält dadurch die Möglichkeit, sich dem Therapeuten mit dem Körper - insbesondere den Knochen und ihrem Gewicht - anzuvertrauen. Er kann sich in dem Maße auf den Therapieprozess und die eigenen Gefühle und Körperreaktionen einlassen, wie der Therapeut mit seinen eigenen auftauchenden Gedanken, Gefühlen und Körperreaktionen vertraut ist. Die Reaktionen des Patienten beruhen häufig auf Übertragung und sind für den Therapieprozess sehr wertvoll.
Mit Hilfe
dieser unterstützenden Therapie können die Patienten ein tiefes Vertrauen
in die eigene körperliche Existenz, ihr Lebensrecht und die Richtigkeit
ihrer Gefühle gewinnen und neue Lebenslust entwickeln. So erwirbt das innere
Kind des Patienten die Voraussetzungen für weiteres Wachstum und die Entwicklung
des Selbst in der Therapie und im Leben.
Metapsychologisch gesehen schafft diese Therapieform Möglichkeiten für
eine Nachentwicklung des Körperkern-Selbst und Subjektiven-Selbst (wie
sie von D. Stern (1992) beschrieben wurden). Daraus entstehen im Therapieprozess
- analog der Kindheitsentwicklung - innere Bilder und Vorstellungen, die wiederum
Voraussetzung sind für die Integration der beiden o. a. Formen des Selbst
einerseits mit der mehr nach außen gewandten Welt des symbolischen und
sprachlichen Selbst andererseits innerhalb der Therapie. Daraus erwächst
die Freude an einem Leben mit dem nun beziehungsfähigen und in der eigenen
organismischen Existenz verwurzelten Selbst.
Die Bedeutung von Beziehungen in der Bioenergetischen Analyse
Robert Hilton
Zusammenfassung:
Der Artikel
schildert die tragische Geschichte eines siebenjährigen Mädchens,
das im Verlauf einer radikalen rebirthing-Technik, die ihre Mutter und drei
Therapeuten bei ihr anwandten, den Erstickungstod starb. Sowohl Mutter als auch
Therapeuten handelten "in bester Absicht". Sie waren allerdings -
und darin bestand das Problem - in solchem Maße von der Richtigkeit ihres
Handelns überzeugt bzw. um die Liebe des kleinen Mädchen bemüht,
dass sie dessen wahre Identität und die Schwere ihres Traumas verkannten.
Der Artikel lädt Therapeuten dazu ein, ihre Motive bei der Ausübung
von Psychotherapie und insbesondere von körperorientierter Psychotherapie
nochmals kritisch zu hinterfragen. Er unterstreicht die wesentliche Bedeutung
der Beziehung für jegliche therapeutische Interaktion.
(Übersetzung: Irma Ben Hamida)
Die Bedeutung von bioenergetischem Kontakt in der Mutter-Kind Beziehung
zur
Vorbeugung von pathologischer - und zur Stimulierung gesunder Entwicklung.
Silja Wendelstadt
Zusammenfassung:
Der vorliegende
Artikel basiert auf W. Reichs Definition des gesunden Neugeborenen und der Funktion
seines kreativen Energie-Systems, welches aus sich selbst heraus bioenergetischen
Kontakt mit seiner Mutter herzustellen vermag und sie zu einer seinen Bedürfnissen
entsprechenden Reaktion stimuliert.
Das Ziel aller Gesundheitserziehung müsste sein, durch lebendigen, pulsatorischen
Kontakt (Liebe) zwischen dem Neugeborenen und seiner Mutter, schon zu Beginn
des Lebens einer Panzerung vorzubeugen, d.h. den naturgegebenen Fähigkeiten
des Neugeborenen, eine positive bio-emotionale Beziehung zu seiner Mutter/Bezugsperson
zu unterhalten, zur Entwicklung zu verhelfen. Die moderne Neugeborenen-Forschung
bestätigt, dass empathischer Umgang nicht nur die gesunde Entwicklung des
Babys beeinflusst, sondern auch direkten Einfluss auf die Anlage bzw. Vernetzung
von Hirnstrukturen hat. In Italien und Deutschland gibt es Zentren für
Emotionale Erste Hilfe, um Krisensituationen von Babys und ihren Eltern zu überwinden.
Die Programme dieser Zentren gehen zurück auf die Arbeit des späten
Wilhelm Reich, die von seiner Tochter Eva Reich weiterentwickelt und verbreitet
wurde.
Befreiung der Gefühle durch Lösung von Stimmblockaden. Öffnung
des oralen Segmentes in der Körperpsychotherapie- nach einem Konzept von
Kristin Linklater.
Thea M. Mertz
Zusammenfassung:
Dieser Artikel
befasst sich mit dem oralen Segment und seinen vielfältigen Funktionen
auf primärer Ebene (atmen, essen) und sekundärer Ebene (Stimmproduktion,
Kontaktorgan). Es handelt sich dabei um ein komplexes System mit willkürlichen
und unwillkürlichen Aktivitäten. Durch das enge Zusammenspiel mit
dem Zwerchfell hängen sowohl Atem- und Stimmqualitäten als auch die
Freiheit der Gefühle von der Offenheit und Durchlässigkeit dieses
wichtigsten Kontrollorgans des Körpers ab.
Der vorgestellte Arbeitsansatz bietet ein hochwirksames Instrument zur Befreiung
des Stimmkanals mit dem Ergebnis einer offenen Stimme, die einen ungehinderten
Gefühlsausdruck erlaubt.
Ungeborene Kinder - Ihre Traumen und deren Konsequenzen
Geoffrey Whitfield
Zusammenfassung:
Der vorliegende
Beitrag weist auf eine der möglichen Ursachen menschlicher Fehlfunktionen
hin, die vermutlich in den vorgeburtlichen Erfahrungen im Mutterleib begründet
sind. Während der Schwangerschaft ist das ungeborene Kind den Emotionen
der Mutter hilflos ausgesetzt – ungeachtet der Folgen. Erlebt eine Schwangere
emotionale Schwankungen, so kann sich das ungeborene Kind nicht dagegen schützen
und erfährt folglich die gesamte Bandbreite dieser Gefühle, von großer
Liebe bis hin zum Gegenteil, in allen Nuancen. Empfängt der Fötus
Negativität seitens der Mutter durch die Nabelschnur, erleidet er schutzlos
tiefen Schmerz und gerät in höchste Not. Im späteren Leben muss
intelligentes Verhalten sicherstellen, dass sich jene Erfahrung absoluter Verletzlichkeit
unter keinen Umständen wiederholt. Also wird der Betreffende zu seinem
eigenen Schutz die verschiedensten Abwehrmechanismen entwickeln. Des Weiteren
wird er oder sie lieber selbst die Initiative ergreifen als sich einer Situation
hilflos ausgesetzt zu sehen – nach dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung.
Daher steht hinter aggressivem und angriffslustigem Verhalten eine - wenn auch
häufig kontraproduktive - intelligente Intention. Viele Formen des Strebens
nach Macht und Kontrolle wollen gewährleisten, dass sich die im Mutterleib
empfundene Ohnmacht nicht wiederholt. Es mag eine Hilfe für Therapeuten
sein, während intensiver Arbeit an der Deutung des Widerstands an die Auswirkungen
des oben Geschilderten zu denken.
Dieser Artikel wendet sich sowohl an Psychotherapeuten als auch an diejenigen,
die sich mit vorgeburtlicher Arbeit befassen. Das Geburtserlebnis als solches
wird ebenfalls für bedeutsam gehalten, findet jedoch in diesem Beitrag
keine Berücksichtigung.
(Übersetzung: Irma Ben Hamida)
Der Körper und die Körpertherapy.
Robert C. Ware
Zusammenfassung:
C.G. Jung
schreibt 1939 (Briefe I, S.350): "Das Unbewußte ist weitgehend identisch
mit Sympathicus und Parasympathicus, welche die physiologische Entsprechung
der Gegensatzstruktur unbewußter Inhalte sind." Sind diese Entsprechung
und weitgehende Identität anderes als ein mechanistisch-biologistisches
Missverständnis aus einer Zeit, wo man nach der materiellen Grundlage der
Psyche suchte? Oder können wir heute hier sinnvoll anschließen im
Bemühen, die fundamentale psycho-physische oder "psychoide" (Jung)
Einheit von Geist und Materie, von Psyche und Soma zu ergründen? Auch Freud
hatte 1895 in seinem "Entwurf einer Psychologie" ein organisches Substrat
der Psyche postuliert. In den letzten Jahren ist die psychoanalytische Diskussion
um die Verbindung Psyche-Soma mit neuer Brisanz wieder entfacht. Meine hiesigen,
eher praxisorientierten Ausführungen will ich mit drei konkreten Beispielen
einleiten: "Vom Traum zur Körperanalyse". Darauf folgen thesenartig
mit kurzen Belegen im Jungschen Gedankengut einige theoretische Gedanken zur
"psychosomatischen Einheit des Körperselbst". Danach will ich
zum Schluß des ersten Teils zu einer Art "Kritik der Jungschen Praxis"
ansetzen. Im zweiten Teil möchte ich anhand eigener Erfahrungen als Jungscher
und bioenergetisch-analytischer Psychotherapeut und mit Bezug auf Körpersprache,
"Körperlesen", sogenannte Körpererinnerungen, Berührung
und Bewegung in Therapien zu vernachlässigten "Möglichkeiten
der Körper-Psychotherapie" anregen.